Mother India (Indien 1957)
May 20th, 2004Sozialdrama über die von Schuldknechtschaft, Analphabetismus und Familienehre. Selbst aus heutiger Sicht noch aktuell, wenn auch die künstlerischen Mittel etwas an die Stummfilmzeit erinnern. Lt. Allocine/Anecdotes war dies der erste indische Film, der für einen Oscar (bester ausländischer Film) nommiert worden ist.
Handlung
Radha heiratet und ihre Schwiegermutter lässt sich das was kosten. Das Geld leiht sie sich bei Sukhilala, der den Vertrag “abändert”, wohl wissend, dass er der Einzioge im Dorf ist, der der Schrift mächtig ist. Die Familie verarmt dadurch völlig und erst nach vielen Schicksalsschlägen und einer Flutkatastrophe haben sie wieder ein bescheidenes Auskommen. Radhas Sohn Birju kann sich mit dem von Sukhilala begangenen Unrecht nicht abfinden und wird zum “Renegade” - Showdown mit Tränen.
Warum sollte man den Film sehen?
Sicherlich sehr interessant wegen des kulturellen Aspekts. Das Thema der Familienehre/Religiösität wird hier kritisch ausgeleuchtet. Das Thema Schuldknechtschaft ist auch im heutigen Indien noch ein brennendes Problem. Cineastisch interesant ist der Blick auf die Wurzeln des Bollywood-Kinos. Hier gibt es noch nicht die Reise in die Schweiz mit der völligen Fixierung auf die Schauspieler. Die Tanzszenen sind spärlich und fügen sich in den Rahmen perfekt ein (Ballet mit Ochsen auf dem Feld - grossartig). Die Songs sind nicht schmückendes Beiwerk mit dem Hintergedanken des Merchandisings auf CD, sondern eher Recitative/Arien wie in klassischen Opern, die die Handlung vorantreiben.
Was nervt?
Wenn ich hier von “kritischen Umgang” mit sozialen Fragen Indien geht, so ist die Kritik doch sehr “Ostblock-like” versteckt, wenn überhaupt sichtbar. Streckenweise erinnert der Film an sozialistische Propagandefilme à la “Der Sowjetmensch …”. Man wird den Eindruck nicht los, das Bollywood-Produktionen etwas wie Brot und Spiele / Opium für das Volk sind.
