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Fahrenheit 9/11 (USA 2004)

July 20th, 2004

Wollte ich eigentlich gar nicht sehen, aber nach Super Size Me gab es keinen Ausweg. Goldene Palme in Cannes. Die Preisvergabe warf völlig unpolitisch. Dokumentarähnliches, paranoides Propagandastück.

Handlung

Keine. Moore konstruiert eine Verschwörungstheorie aus dem Dreieck Geheimdienst, Saudi-Arabien und “Militärisch-Industrieller Komplex”, wobei letzter für die Familie Bush steht.

Warum sollte man den Film sehen?

Einige Bilder von Opfern des Irakkriegs war doch ziemlich heftig und ich hatte sie im Fernsehen jedenfalls noch nicht gesehen. Neben den “Loosern” im Ausland auch sehr interessant der Blick auf die Unterschicht in den USA, die das Kanonenfutter für die “Auslandseinsätze” liefert. Diese Maschine verwandelt Blut in Öl.

Was nervt?

Ich habe meine Probleme mit solchen Filmen, auch wenn mir die derzeitige US-Regierung nicht sympathisch ist - ich habe sie nicht gewählt und es steht mir auch nicht zu es zu tun - hierzulande haben wir in den Dreißigerjahren ähnliche Filme gehabt. Auch damals gab es ernstzunehmende Leute, die diese Filme bejubelt haben. Propagandafilme sind Pornos.

Die Ehe der Maria Braun (D 1979)

July 20th, 2004

Rainer Werner Fassbinder (mit Cameo-Auftritt) inszeniert eine Mischung aus Kino und Theater. Grob gezeichnete Charaktäre die durch die hervoragenden Schauspieler ausgefüllt werden. Neun Jahre zwischen Kriegsende und Bern ‘54 vergehen wie im Flug und die Menschen verändern sich schneller und langsamer als die Zeiten.

Handlung

Maria heiratet Hermann im Geschosshagel des 2. Weltkriegs. Dann gerät Hermann in Gefangenschaft und Maria tröstet sich mit einem GI, den sie erschlägt als Hermann überrraschen aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrt. Hermann nimmt die Schuld auf sich und geht für Maria ins Gefängnis. Maria schlägt sich sehr erfolgreich durchs Leben und wartet (auf ihre Weise) auf Hermann. Tragisches Ende nach kurzem Happy-End.

Warum sollte man den Film sehen?

Nicht weil es Fassbinder ist. Einfach tolles Kino. Der Film hat “Bühnenatmosphäre”, man ist ganz dicht dran an der Geschichte. Die eigentlich Story ist wie sich in den turbulenten Jahren nach dem Krieg die Menschen ändern, schnell oder nicht so schnell, oder nicht schnell genug. Dadurch entstehen neue Bindungen, alte reissen auseinander. 25 Jahre später ist das Tempo der Veränderungen nicht kleiner geworden, man merkt es nicht so, weil jeder ja doch etwas mit dem Strom der Zeit schwimmt - das Problem ist aber immer noch das Gleiche.

Was nervt?

Der Vorspann ist ziemlich unleserlich - den Grafikdesigner hätte ich gefeuert…

Super Size Me (USA 2004)

July 20th, 2004

Morgan Spurlock uberschreitet die die Grenzen seines guten Geschmacks. Dreißig Tage ausschliesslich McDo Futter, immer “Super Size” (Für nicht US-Kenner und US-Hasser: Die Portionen sind abartig gross, es wird einem schon beim zuschauen schlecht.

Handlung

Nach einer kurzen Einführung in die Perversion der Fast-Food Ökonomie beschliesst Morgan ein Experiment. Unter ärztlicher Kontrolle will er 30 Tage nur von McDo leben, was dem durchschnittlichen US-Konsum von etwas 10 Jahren entspricht. Man leidet wirklich mit ihm mit. Am Ende des Films ist man direkt besorgt, dass er dabei drauf geht. Insgesamt ein Lehrfilm im Stil Michael Moores.

Warum sollte man den Film sehen?

Für Fast-Food Gegner und Liebhaber (für letzte eher sowas wie Entwöhnungstherapie), sowie Ami-Hasser - die finden ihre Vorurteile bestätigt und müssen aber auch sehen, dass die Zahl der zu Selbstkritik und Ironie fähigen Amerikaner nicht gegen Null tendiert. Ein schaurig schönes Gefühl von Ekel nimmt einen sofort gefangen. Die Interviews mit Leuten von der Strasse, McDo Kunden und Lobbyisten amüsieren durch ihre Einfältigkeit.

Was nervt?

Ein Vorurteil konnte Morgen Spurlock nicht ausräumen: Amerikaner haben einen Hang dazu sehr penetrant ihre Ansicht als die einzig richtige zu verkaufen. Insofern unterscheidet er sich nicht viel von denen, die er anprangert und lächerlich macht. Kann man mit leben.