Windows 7 ohne Browser - back to the ’80s
June 14th, 2009Oh je - ein Betriebssystem ohne Browser.
Es ist nicht Microsofts böser Wille, was hätten sie den tun sollen ALLE Browser mitliefern oder über ein Bootstrap-Menü anbieten - schwer möglich, da sie mit Sicherheit irgendeinen Exoten vergessen würden und die anderen über den Listenplatz prozessieren würden wie Politiker vor einer Wahl.
Ah, ein randomisiertes Menü - natürlich nicht mit gewichteten Wahrscheinlichkeiten (Browser mit hohem Marktanteil werden tendeziell nach vorne gestellt), weil das ja bestehende Verhältnisse befördern würde.
Ich mache mir allerdings wirklich Sorgen über den Präzedenzfall, denn dieses Verfahren schafft. Windows 8 dann ohne “Explorer”, damit “Norton Commander” wieder mehr Kunden findet? Keine Firewall mehr, sodass die vage Hoffnung der User kaufe eine andere die Ausbreitung von Trojanern fördert?
Persönlich ziehe ich nur eine Konsequenz: Ich werde den Opera-Browser meiden - ein solides Produkt, dass es schlicht nicht geschafft hat sich gegen meine subjektive Präferenz für FF und Chrome durch zu setzen.
Der nächste Kampf wird auf der Browserinstallationsebene geführt werden: Welche Suchmaschine wird voreingestellt?
Als vor ein paar Wochen mein Rechner starb, war die einfache Lösung ein HP aus dem Elektromarkt (Darty). Einstöpseln, Windows-Personalisierung und los gings. Erster Schritt war IE->Google->FF download.
Mit Windows 7 werde ich dann wohl eine CD mit einem Installer suchen müssen oder den Browser verwenden müssen, den HP beilegen wird. Fairerweise muss man sagen, das HP recht wenig Crapware vorinstalliert, dennoch bin ich mir nicht sicher, dass die Wahl des Herstellers auch meine sein wird.
Vielleicht erinnern sich noch einige an die Frühzeit des PCs. Damals gab es noch viele Hersteller, die sich mit allerlei (sinnlosen) proprietären Erweiterungen untereinander abgegrenzt haben -unter der Haube war stets MS-DOS. Diese “Wahlmöglichkeit” war nur scheinbar eine Wahl, jeder der darauf rein gefallen ist hat über kurz oder lang gemerkt, dass das “Killerfeature” von keinerlei Software unterstützt wurde. Ganz Unglückliche habe ein bestimmtes Feature in die Unternehmens-IT intergriert und sich so ihren eigenen Vendor-LockIn gebastelt (die weniger unglücklichen unter ihnen hatten wenigstens auf einen Hersteller gesetzt, der zwei Jahre später noch existierte)
Heute sind wir in einem anderen Zeitalter, nahezu alle Hersteller haben erkannt, dass die Daten das Kapital sind und proprietäre Funktionen den Ausbau des Marktanteils eher behindern. Ironischerweise hat besonders MS das zu spüren bekommen und man muss ihnen zugestehen, dass sie aktiv daran sind sich dort zu verbessern (ODF-support, HTML-Kompatibilität, Support von FF+Safari im kommenden Office-Online).
Sicher werden alle Hersteller neue Features erfinden und diese in ihren Produkten auch intensiv nutzen, aber gleichzeitg besteht nun der Trend diese neuen Funktion eher als Referenzimplementierung eines noch zu schaffenden Standards zu sehen.
Zurück zum eigentlichen Thema. Sicher sind Kartellbehörden sinnvoll, allerdings nicht uneingeschränkt. Wie man aus der Liberalisierung des Strommarkts gelernt hat, erzielen manche Massnahmen den genau gegenteiligen Effekt. Ein Markt wie die IT ist sehr schnelllebig mit verhältnismässig geringen Kosten für Markteintritt und Wechsel der “Lieferanten”, zudem bietet das Web relevante Entscheidungshilfen mit nahezu unbeschränktem Zugang. Diese Kriterien legen nahe, dass der IT-Markt nahezu “perfekt” im Sinne der volkswirtschaftlichen Theorie ist und demnach kaum externe Regelung benötigt.
Beispiel aus gegebenen Anlass: Der (hohe) Marktanteil von FF und der (niedrige) Marktanteil von Chrome, offensichtlich sind die Anwender in der Lage ihre eigene Entscheidung zu treffen, Opera scheint diese Entscheidung nicht zu gefallen - und ich bin skeptisch, ob die Anwender sich bei der “Neuwahl” des Browsers anders verhalten werden.
Tipp an Opera: Integriert am besten staatliche Schnüffelsoftware in euer Produkt, dann besteht vielleicht die Chance, dass es lokale Gesetze geben wird, die den Einsatz von Opera obligatorisch macht!
